Gas, Öl oder Wärmepumpe – was lohnt sich wirklich über 15 Jahre?

Vollständiger Kostenvergleich 2026: fünf Heizsysteme, alle Kosten gerechnet – Anschaffung, Energie, Wartung.
  • Vollkosten über 15 Jahre inkl. CO₂-Preispfad bis 2040
  • Berücksichtigung des gesetzlichen CO₂-Preispfads und struktureller Energiepreisentwicklung bis 2040.
  • Für Hauseigentümer, die heute entscheiden müssen

Einleitung: Das neue Heizungsgesetz lässt alle Optionen offen – Gas, Öl, Wärmepumpe. Wer die falsche wählt, zahlt bis zu 55.000 € zu viel

„Technologieoffenheit macht die Entscheidung nicht einfacher – sie macht die Konsequenzen größer."

Die Entscheidung ist gefallen: Mit dem neuen Gebäudemodernisierungsgesetz vom 24. Februar 2026 entfällt die 65%-Erneuerbare-Pflicht. Öl- und Gasheizungen bleiben ausdrücklich erlaubt. Die Bundesregierung setzt auf Technologieoffenheit – und gibt damit die Entscheidung zurück an die Hauseigentümer.

Das klingt nach Entlastung. Ist es aber nur auf den ersten Blick. Technologieoffenheit bedeutet nicht, dass alle Optionen gleich gut sind – sie bedeutet, dass niemand mehr die Wahl abnimmt. Wer heute eine Heizung tauscht, investiert in ein System, das 20 bis 30 Jahre laufen wird. In dieser Zeit steigt die CO₂-Bepreisung planmäßig weiter, der Strompreis sinkt strukturell – und wer das falsche System gewählt hat, zahlt die Rechnung jeden Monat.

Diese Analyse vergleicht fünf Heizsysteme auf Basis realer Marktpreise und aktueller Förderbedingungen: Anschaffung, Betriebskosten und monatliche Vollkosten über 15 Jahre – für ein 120-m²-Einfamilienhaus im Bestand mit 17.500 kWh Gesamtwärmebedarf. Als Referenzsystem dient die Luft-Wasser-Wärmepumpe, der aktuelle Standard der Wärmewende.

Heizkosten Analyse 2026

Vollkostenvergleich inkl. Energie, Wartung und Investition (Amortisation über 15 Jahre).

Klimaanlage
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Klimaanlage (50% gefördert)
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Luft-Wasser-WP
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Luft-Wasser-WP (55% gefördert)
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Gas-Heizung
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Öl-Heizung
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Infrarotheizung
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Alle Werte in € (Bruttokosten inkl. Installation). Prozentangaben zeigen den Mehrpreis gegenüber dem günstigsten System: Klimaanlage aka Luft-Luft-Wärmepumpe mit 50% KfW-Förderung.

Anschaffungskosten: Die Trennlinie verläuft anders als erwartet

Kein anderer Einzelfaktor in dieser Analyse hat mehr Gewicht – und keiner täuscht so zuverlässig.

Die intuitive Sortierung lautet: fossile Systeme günstig, Wärmepumpen teuer. Und auf den ersten Blick stimmt das sogar. Ölheizung ab 9.500 € (Brennwertkesseltausch, Öltank vorhanden), Infrarot 13.500 € (inkl. Brauchwasser-Wärmepumpe), Klimaanlage 14.500 € (inkl. Brauchwasser-Wärmepumpe), Gas 16.000 €. Dann kommt die Luft-Wasser-Wärmepumpe: 36.000 €.

Das Bauchgefühl sagt: klarer Fall. Die Vollkostenrechnung sagt: nicht so schnell.

KfW-Förderung: Wärmepumpen werden gefördert

Denn Wärmepumpen werden gefördert – und zwar substanziell. Über die KfW-Bundesförderung (BEG 458) rechnet diese Analyse mit 55% für die Luft-Wasser-Wärmepumpe (30% Grundförderung + 20% Klimageschwindigkeitsbonus + 5% Effizienzbonus) und 50% für die Klimaanlage. Gas, Öl und Infrarot erhalten keine Förderung. Das Ergebnis: Die Luft-Wasser-Wärmepumpe sinkt auf 16.200 € Eigenanteil, die Klimaanlage auf 7.250 € – günstiger als jedes andere System im Vergleich. Die Förderung verstärkt die Reihenfolge, sie dreht sie nicht um.

Betriebskosten: Der Wirkungsgrad entscheidet – und der Abstand ist dramatisch

Alle fünf Systeme verbrauchen Energie. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Bedarf – sondern darin, wie effizient ein System diesen Bedarf deckt.

Wärmepumpen nutzen die Umgebungsluft als kostenlose Energiequelle und erzeugen ein Vielfaches der eingesetzten Strommenge als Wärme. Wie effizient das gelingt, misst der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance – die saisonale Jahresarbeitszahl): Ein SCOP von 3,0 bedeutet, dass aus 1 kWh Strom 3 kWh Wärme werden. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe erreicht SCOP 3,2, die Luft-Luft-Wärmepumpe SCOP 3,0. Für 17.500 kWh Gesamtwärmebedarf benötigt die Luft-Wasser-Wärmepumpe nur 5.438 kWh Strom. Gas- und Ölheizung arbeiten ohne diesen Multiplikator-Effekt und verbrauchen 16.304 bzw. 16.667 kWh Brennstoff. Die Infrarotheizung steht am anderen Ende: Wirkungsgrad 1,0 (COP) – aus 1 kWh Strom wird genau 1 kWh Wärme, nicht mehr. Die dazugehörige Brauchwasser-Wärmepumpe (SCOP 2,5) begrenzt zumindest den Warmwasseraufwand – ohne sie lägen die Energiekosten noch höher.

Die Energiepreise basieren auf über 15 Jahre gemittelten Werten (2026–2040), keine Momentaufnahme:

  • Strom: Ø 0,335€/kWh (Basis 0,372€/kWh, strukturell sinkend, teilweise kompensiert durch Netzentgelte)
  • Erdgas: Ø 0,1382€/kWh, getrieben durch den CO₂-Preispfad von 65 auf ~160€/t bis 2040
  • Heizöl: Ø 0,1169€/kWh, CO₂-adjustiert, hohe Preisvolatilität

(Mehr Details finden Sie unter "Methodik & Annahmen").

Daraus ergeben sich jährliche Energiekosten: Luft-Wasser-Wärmepumpe 1.822€, Luft-Luft-Wärmepumpe 1.997€, Ölheizung 2.260€, Gasheizung 2.614€, Infrarotheizung 5.347€. Zwischen günstigster und teuerster Option liegen 3.525€/Jahr– über 15 Jahre 52.875€. Der Energieunterschied zwischen beiden Wärmepumpen beträgt 175€/Jahr 2.625€ über die gesamte Laufzeit.

Vollkosten: Das Gesamtbild straft die Intuition

Vollkosten lösen ein Paradoxon auf. Die Infrarotheizung hat den zweitniedrigsten Anschaffungspreis – und die höchsten Vollkosten. Die Luft-Wasser-Wärmepumpe hat die niedrigsten Energiekosten – und ist ungefördert das zweitteuerste System. Einzelkennzahlen führen in die Irre. Erst wenn alle Kostenbestandteile zusammenfließen, zeigt sich das vollständige Bild.

Die monatlichen Vollkosten setzen sich aus vier Komponenten zusammen: dem auf 180 Monate umgelegten Investitionsaufwand, den Energiekosten, den Wartungskosten sowie systemspezifischen Fixkosten wie Gasgrundgebühr oder Öl-Tankkosten. Ungefördert ergibt sich folgende Reihenfolge: Luft-Luft-Wärmepumpe 259€, Ölheizung 285€, Gasheizung 351€, Luft-Wasser-Wärmepumpe 371€, Infrarotheizung 527€/Monat. Der Anschaffungspreis allein frisst den Betriebsvorteil der Luft-Wasser-Wärmepumpe 5,4-fach auf. Die Infrarotheizung hat die niedrigsten Energiekosten – falsch. Mit 446 €/Monat allein übersteigen ihre Stromkosten die Vollkosten jedes anderen Systems.

Mit KfW-Förderung verbessern sich ausschließlich die beiden Wärmepumpen: Luft-Luft-Wärmepumpe 219€, Luft-Wasser-Wärmepumpe 261€/Monat. Gefördert setzt sich die Luft-Luft-Wärmepumpe mit 66€/Monat Abstand zur Ölheizung klar ab. Sie gewinnt den Vollkostenvergleich in beiden Szenarien – nicht weil sie in einer Kategorie dominiert, sondern weil sie in keiner versagt.

Diskussion: Luft-Wasser-Wärmepumpe: Der Goldstandard – mit Preis

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe dient in dieser Analyse als Referenz – aus gutem Grund. Mit SCOP 3,2 erzielt sie die niedrigsten Energiekosten aller fünf Systeme: 152 €/Monat, 14 € weniger als die Luft-Luft-Wärmepumpe. Sie integriert Heizung und Warmwasser in einem System, arbeitet zuverlässig bis −20 °C, ist KfW-förderfähig mit zu 70 % Zuschuss – und erzeugt mit 11,7 Tonnen CO₂ über 15 Jahre die niedrigste Emissionsbilanz aller fünf Systeme.

Der Preis dieser Universalität: 36.000 € Anschaffung – mehr als das Doppelte jedes anderen Systems. Ungefördert ist sie das zweitteuerste System (371 €/Monat). Mit 55% Förderung sinkt der Eigenanteil auf 16.200 € und die Vollkosten auf 261 €/Monat – damit setzt sie sich klar gegen Gas und Öl durch, bleibt aber 42 € pro Monat hinter der geförderten Luft-Luft-Wärmepumpe. Der Abstand ist real, aber kleiner als der Anschaffungsunterschied vermuten lässt.

Für wen geeignet? Für gut gedämmte Gebäude, Neubauten und Bestandsgebäude mit Flächenheizung – wenn Warmwasserintegration, Autarkie vom Gasnetz Priorität haben und ausreichend Eigenkapital vorhanden ist.

Warum die Luft-Luft-Wärmepumpe der Gewinner ist

„Das günstigste Heizsystem im Vollkostenvergleich 2026 ist keine Gasheizung. Es ist auch keine Luft-Wasser-Wärmepumpe. Es ist das Gerät, das die meisten noch als Klimaanlage kennen."

Die Luft-Luft-Wärmepumpe aka Klimaanlage gewinnt den Vollkostenvergleich – in beiden Szenarien, gefördert wie ungefördert. Das überrascht, weil das Gerät in Deutschland primär als Kühlgerät wahrgenommen wird.

„Kann eine Klimaanlage wirklich heizen?"

Der Einwand ist kulturell begründet, nicht physikalisch. Moderne Inverter-Splitgeräte heizen zuverlässig bis −25°C Außentemperatur – und sind in den kältesten Ländern der Welt das Standardheizsystem. In Norwegen heizen 66% aller Haushalte primär damit, bei Wintertemperaturen bis −20°C. In Finnland 55%, in Schweden 51%. In Japan nahezu alle Haushalte – einschließlich Hokkaido mit Temperaturen bis −25°C. 95,6% der Nutzungszeit von Klimageräten in Norwegen entfallen auf den Heizbetrieb. Was in diesen Ländern als selbstverständlich gilt, wird in Deutschland noch als Nischenprodukt behandelt.

Die unterschätzte Alternative

Bei der Investition kostet die Luft-Luft-Wärmepumpe als Gesamtsystem 14.500 € – das Split-Gerät (12.000 €) plus Brauchwasser-Wärmepumpe (2.500 €). Sie lässt sich mit geringem Aufwand in die Gebäudestruktur nachrüsten, benötigt keinen Heizkörpertausch – und kühlt im Sommer, ohne dass ein zweites System nötig wird. Kein anderes System im Vergleich bietet diesen Funktionsumfang bei dieser Investitionshöhe. Mit 50% KfW-Förderung sinkt der Eigenanteil auf 7.250 € – günstiger als jedes andere System im Vergleich.

Warum der Kapitalvorteil entscheidet

Im Betrieb liegt sie 14 €/Monat hinter der Luft-Wasser-Wärmepumpe – real, aber im Kontext der Anschaffung bedeutungslos. Bei der Investition liegt sie 21.500 € davor: Das entspricht 119 €/Monat weniger Kapitaldienst über 15 Jahre – Faktor 8,5. Selbst mit KfW-Förderung bleibt dieser Vorsprung mit dem 3,1-fachen der kumulierten Energieersparnis unangreifbar. Mit 13,4 Tonnen CO₂ über 15 Jahre liegt sie nahezu auf dem Niveau der Luft-Wasser-Wärmepumpe (11,7 t) – und beim 4,3-fachen Abstand zur Gasheizung (57,3 t). Wer kosteneffizient heizt, heizt in diesem Vergleich automatisch auch klimaeffizient.

Für wen geeignet? Für Gebäude mit niedrigem bis mittlerem Vorlauftemperaturbedarf, bei denen maximale Kosteneffizienz Priorität hat – und für alle, die KfW-Förderung nutzen wollen.

Gasheizung: Die Übergangslösung mit Preisrisiko

Die Gasheizung wirkt auf den ersten Blick attraktiv: 16.000 € Anschaffung – günstiger als die ungeförderte Luft-Wasser-Wärmepumpe (36.000 €) und auf Augenhöhe mit der ungeförderten Luft-Luft-Wärmepumpe (14.500 €). Doch dieser Investitionsvorteil ist der einzige.

Im Betrieb dreht sich das Bild vollständig. Mit 2.614 € Jahresenergiekosten liegt die Gasheizung 73% über der Luft-Wasser-Wärmepumpe (1.822 €/Jahr) und 56% über der Luft-Luft-Wärmepumpe (1.997 €/Jahr). Hinzu kommen 350 €/Jahr Fixkosten – Wartung und Grundgebühr, die unabhängig vom Verbrauch anfallen und bei Wärmepumpen so nicht existieren. Im Vollkostenvergleich landet die Gasheizung bei 350 €/Monat – damit teurer als alle Wärmepumpenvarianten, gefördert wie ungefördert.

Das strukturelle Problem: Die gezeigten Vollkosten sind ein Mindestwert. Die eingerechneten Energiepreise basieren bereits auf dem gesetzlichen CO₂-Preispfad bis 2040. Jede politische Nachschärfung über diesen Pfad hinaus trifft die Gasheizung direkt und zusätzlich – Strom als Energieträger der Wärmepumpe bleibt davon unberührt. Mit 57,3 Tonnen CO₂ über 15 Jahre liegt die Gasheizung beim 4,3-fachen der Luft-Luft-Wärmepumpe – ein Risikofaktor, der regulatorisch zunehmend relevant wird.

Für wen geeignet? Für Bestandsgebäude mit laufendem Gasanschluss, bei denen eine Systemumstellung wirtschaftlich nicht darstellbar ist und der Planungshorizont unter 15 Jahren liegt. Als kurzfristige Übergangslösung vertretbar – als Langzeitinvestition mit steigendem Kostenrisiko verbunden.

„Gas wird nicht verboten – es wird einfach unbezahlbar.“

Öl-Heizung: Das Auslaufmodell

Die Ölheizung dient in diesem Vergleich primär als Referenzpunkt für den fossilen Bestand – nicht als reale Neuinstallationsoption. Nach GEG 2024 ist der Einbau reiner Ölheizungen ab Mitte 2026 bzw. 2028 (je nach kommunaler Wärmeplanung) faktisch verboten; ab 2044 gilt ein generelles Betriebsverbot für fossile Heizanlagen.

Im Vollkostenvergleich landet sie mit 285 €/Monat noch vor der Gasheizung – trotz 2.260 €/Jahr Energiekosten und 375 €/Jahr Wartung- und Tankaufwand federt der niedrige Anschaffungspreis von 9.500 € die laufenden Kosten teilweise ab, reicht aber nicht, um mit der geförderten Luft-Luft-Wärmepumpe (219 €/Monat) mitzuhalten.

Infrarotheizung: Das schwächste Gesamtprofil

Die Infrarotheizung ist das teuerste System im Betrieb – ohne Ausnahme. Mit 13.500 € Anschaffung wirkt sie zunächst moderat. Im Betrieb neutralisiert Wirkungsgrad 1,0 – aus 1 kWh Strom wird genau 1 kWh Wärme, nicht mehr – jeden Investitionsvorteil vollständig: 446 €/Monat Energiekosten allein übersteigen die Vollkosten jedes anderen Systems im Vergleich. Vollkosten gesamt: 527 €/Monat – 308 € mehr als die geförderte Luft-Luft-Wärmepumpe. Mit 34,7 Tonnen CO₂ über 15 Jahre liegt sie zwar deutlich unter Gas (57,3 t) und Öl (78,2 t) – aber beim 2,6-fachen der Luft-Luft-Wärmepumpe (13,4 t). Wer elektrisch heizt und trotzdem nicht effizient heizt, zahlt den höchsten Preis – in Euro und in CO₂.

Politisch geduldet – aber mit engen Grenzen

Das GEG 2024 (§ 71d) erlaubt Stromdirektheizungen unter definierten Bedingungen: Im Neubau nur bei EH-40-Standard, im Bestand nur bei mindestens 30% besserem Wärmeschutz – außer in selbstgenutzten Ein- oder Zweifamilienhäusern. Ein generelles Verbot existiert nicht, aber der gesetzliche Rahmen schränkt den sinnvollen Einsatz auf sehr gut gedämmte Gebäude oder Ergänzungslösungen ein.

In diesem Vergleich dient die Infrarotheizung als obere Kostengrenze – als Warnung, nicht als Empfehlung.

Ausblick: Was der Vergleich für die Wärmewende bedeutet

"Die Frage ist nicht mehr, ob sich elektrische Heizsysteme durchsetzen – sondern wie viel es Haushalte kostet, zu spät umzusteigen."

Diese Analyse zeigt ein Ergebnis, das die politische Debatte der letzten Jahre weitgehend übersehen hat: Die wirtschaftlich überlegene Wärmepumpenlösung für den deutschen Altbaubestand ist nicht die Luft-Wasser-Wärmepumpe – sondern die Luft-Luft-Wärmepumpe.

Das Kosten-Akzeptanz-Problem ist lösbar

Die Wärmewende hat Fahrt verloren – nicht weil Wärmepumpen zu teuer sind, sondern weil ein 36.000-€-System als Standard kommuniziert wurde.

In einem Land, in dem 70% des Gebäudebestands keine Flächenheizung hat – und deren Nachrüstung noch einmal 8.000–15.000 € kostet – war das die falsche Botschaft zur falschen Zeit. Die Luft-Luft-Wärmepumpe kostet gefördert 7.250 € Eigenanteil. Das ist keine günstigere Variante des gleichen Systems – es ist eine andere Kategorie.

Was fehlt

Keine neue Förderarchitektur, keine neue Gesetzgebung. Was fehlt, ist eine ehrlichere Kommunikation: dass die günstigste Wärmepumpe im Vollkostenvergleich inkl. Warmwasser 219 €/Monat kostet, nicht 261 €. Dass ihr einziger struktureller Nachteil – Warmwasser – für 2.500 € lösbar ist. Dass Technologieoffenheit nicht bedeutet, dass alle Optionen gleich gut sind – sondern dass die Entscheidung auf vollständiger Grundlage getroffen werden sollte.

FAQ – Methodik und Annahmen

Heizungsanlagen sind Langzeitinvestitionen: Gas- und Ölkessel halten typischerweise 20–25 Jahre, Wärmepumpen 15–20 Jahre. Ein Betrachtungszeitraum von 15 Jahren bildet damit den kürzesten gemeinsamen Planungshorizont aller verglichenen Systeme ab – und ist gleichzeitig der Zeitraum, über den die meisten Hauseigentümer eine Investitionsentscheidung tatsächlich kalkulieren.

Kürzere Zeiträume (z. B. 10 Jahre) würden Systeme mit hohen Anschaffungskosten, aber niedrigen Betriebskosten – wie die Luft-Wasser-Wärmepumpe – strukturell benachteiligen, weil die Einsparungen noch nicht vollständig wirken. Längere Zeiträume (z. B. 25 Jahre) wären für viele Entscheider schwer greifbar und würden zunehmend unsichere Energiepreisprognosen erfordern.

15 Jahre ist daher kein willkürlicher Wert, sondern ein methodisch begründeter Kompromiss: lang genug, um Effizienzvorteile sichtbar zu machen – kurz genug, um auf belastbaren Preisprognosen zu basieren.

Eine Lebenszyklus-Betrachtung erfordert Annahmen über Reinvestitionen, Restwerte und Energiepreise weit jenseits belastbarer Prognosehorizonte. Je länger der Zeitraum, desto stärker dominieren Modellannahmen das Ergebnis. 15 Jahre entsprechen dem typischen Planungshorizont einer Heizungsentscheidung – lang genug, um Effizienzvorteile abzubilden, kurz genug, um auf realen Marktdaten zu basieren. Wer eine individuelle Lebenszyklus-Analyse benötigt, sollte einen unabhängigen Energieberater hinzuziehen.

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Methodik der Berechnung & Annahmen

Referenzgebäude
Einfamilienhaus im Bestand, ca. 120 m² Wohnfläche, mittlerer Dämmstandard (teilmodernisiert, typische Heizungstausch-Zielgruppe).

Wärmebedarf: 17.500 kWh/Jahr
15.000 kWh Heizung (121 kWh/m² × 120 m² = 14.520 kWh, gerundet auf 15.000 kWh; Heizspiegel 2024, co2online; bestätigt durch Thermondo+ 2.400 kWh Warmwasser (800 kWh/Person × 3 Personen; Thermondo= 17.400 kWh Gesamt.

Betrachtungszeitraum: 15 Jahre
Ein konservativer Planungshorizont – reale Heizungssysteme laufen länger. Die Kostennachteile fossiler Systeme wachsen mit jedem weiteren Jahr.

Vollkostenstruktur
Monatliche Vollkosten aus vier Komponenten:

  • Investition & Installation (Anschaffungskosten, auf 180 Monate umgelegt)
  • Energiekosten
  • Wartung
  • Systemfixkosten (Gasgrundgebühr / Öl-Tankkosten)

Anschaffungskosten
Bundesweite Durchschnittswerte für den Heizungsaustausch im EFH/ZFH, inkl. Demontage und Einbau, exkl. neue Heizkörper und Leitungen. Quelle: Verbraucherzentrale Energieberatung, Erhebung Mai 2025, via TGA Fachplaner.

  • Gas-Brennwertkessel – 16.000 €
  • Öl-Brennwertkessel – 9.500 € (reiner Kesseltausch; Commerzbank / ENTEGA 2025)
  • Infrarotheizung (Elektro-Direktheizung) – 11.000 €
  • Luft-Wasser-Wärmepumpe (LWWP) – 36.000 €
  • Luft-Luft-Wärmepumpe (LLWP) – 14.500 € (Split-Gerät: ~12.000 € laut TGA-Preisspiegel 2025; Brauchwasser-Wärmepumpe separat erforderlich: ~2.700 € inkl. Kombi-Installation, ADAC / Energie-Experten.org)

Förderung (BEG, KfW Programm 458)

Beim Heizungstausch im Bestand fördert der Staat elektrische Wärmepumpen. Diese Analyse bildet zwei realistische Förderfälle ab, die auf kombinierbaren Boni basieren:

  • LWWP mit 55% Förderung → Anschaffungspreis: 16.200 €
    30% Grundförderung + 20% Klimageschwindigkeitsbonus (Austausch fossiler Heizung ≥ 20 Jahre alt) + 5% Effizienzbonus (natürliches Kältemittel, z. B. R290) (KfW Programm 458ADAC Heizungsförderung 202642watt.de)
  • LLWP mit 50% Förderung → Anschaffungspreis: 7.250 €
    30% Grundförderung + 20% Klimageschwindigkeitsbonus (Austausch fossiler Heizung ≥ 20 Jahre alt); kein Effizienzbonus, da LLWP typischerweise kein natürliches Kältemittel oder Erdwärmequelle nutzt (KfW Programm 458ADAC Heizungsförderung 2026)

Der einkommensabhängige Bonus (+30% bei Haushaltseinkommen ≤ 40.000 €/Jahr) wird in dieser Analyse nicht eingerechnet, um einen einkommensunabhängigen, breit repräsentativen Vergleich abzubilden.

Energiepreise (Ø 2026–2040)

Basispreise 2026 sind reale Endkundenpreise inkl. aller Abgaben und CO₂-Kosten. Ab 2027 werden ausschließlich Preisveränderungen (Delta) addiert, um Doppelzählungen zu vermeiden. Ø-Werte basieren auf eigener linearer Interpolation der belegten Preisentwicklungspfade.

Strom: Ø 33,55 ct/kWh (eigene Berechnung) – Basis 37,20 ct/kWh (BDEW Strompreisanalyse Januar 2026); strukturell sinkende Erzeugungskosten durch EE-Ausbau: Endkundenpreise für Haushalte sinken laut Ariadne bis 2030 auf unter 30 ct/kWh und bis 2045 auf unter 25 ct/kWh (Kopernikus-Ariadne-Szenarienreport März 2025); daraus ergibt sich für 2040 ein interpolierter Wert von ~26 ct/kWh und ein struktureller Preisrückgang für Strom von Ø −5,60 ct/kWh über den Betrachtungszeitraum (linearer Durchschnittaus Basis- und Zielwert 2026–2040). Dauerhafter Netzausbau-Aufschlag +1,70 ct/kWh auf Basis Gesamtinvestitionen 651 Mrd. € bis 2045 (Dullien/Paetz, IMK Study Nr. 98, Hans-Böckler-Stiftung, Januar 2025). Smart-Meter-Aufschlag +0,25 ct/kWh (Pflicht-Rollout ab 2025,MsbG § 30). CO₂-Preis gilt nicht direkt für Stromkunden und ist nicht eingerechnet. Hinweis: Eine mögliche Absenkung der Stromsteuer auf EU-Mindestniveau (−2,0 ct/kWh) ist nicht berücksichtigt und würde den Ø-Wert entsprechend reduzieren.

Erdgas: Ø 13,8 ct/kWh (eigene Berechnung) – Basis 11,10 ct/kWh für EFH mit 20.000 kWh Jahresverbrauch, aufgeteilt in Beschaffung/Vertrieb (5,04 ct), Netzentgelte (2,57 ct) und Steuern/Abgaben (3,49 ct, inkl. CO₂-Preis und MwSt) (BDEW Gaspreisanalyse Januar 2026); CO₂-Preispfad 65 €/t (2026) → ~160 €/t (2040, eigene Interpolation auf Basis des gesetzlichen Preispfads), Emissionsfaktor 0,201 kg/kWh (ADAC 2025); strukturell steigende Netzentgelte durch sinkende Gaskundenzahlen (Agora Energiewende 2023). Hinweis zur Bio-Quote: Ab 2028 soll Erdgas schrittweise mit Biomethan gemischt werden. In der Praxis bleibt der Effekt marginal – die verfügbare Biomethanmenge reicht strukturell nicht aus, um den Gaspreis nennenswert zu entlasten. Deswegen ist die Biomethan-Beimischung ab 2028 nicht modelliert.

Heizöl: Ø 11,7 ct/kWh (eigene Berechnung) – Basis 9,5 ct/kWh (aktueller Marktpreis, setzt sich zusammen aus Rohölpreis ~5,20 ct, Raffinerie/Vertrieb ~1,50 ct, CO₂-Abgabe ~1,74 ct, Energiesteuer ~0,61 ct, MwSt ~1,52 ct;BAFA Heizölpreiserhebung); CO₂-Preispfad 65 €/t (2026) → ~160 €/t (2040, eigene Interpolation), Emissionsfaktor 0,268 kg/kWh (ADAC 2025); Rohölpreisprognose strukturell stabil bis leicht fallend (IEA World Energy Outlook 2024). Hinweis: hohe Preisvolatilität durch geopolitische Faktoren nicht modellierbar.

Warmwasser

Luft-Luft-Wärmepumpen und Infrarotheizungen verfügen über keinen Wasserkreislauf und können Warmwasser nicht direkt bereitstellen. Für beide Systeme wurde daher eine separate Brauchwasser-Wärmepumpe (BWWP) mit einem realen Jahreswirkungsgrad (JAZ) von 2,5 eingerechnet.

Dieser Wert orientiert sich am realistischen Praxismittelwert: Der Norm-SCOP von 3,5–4,0 gilt unter Prüfbedingungen (A15/W55, EN 16147); im Jahresbetrieb mit Warmwasserbereitung auf 55–60°C und typischer Kelleraufstellung (Umgebungstemperatur ~10–15°C) ist ein deutlich niedrigerer Praxiswert realistisch. Nutzererfahrungen und Forumsmessungen zeigen reale COP-Werte von 1,9–2,5 für günstigere Geräte im Alltagsbetrieb; JAZ 2,5 bildet den oberen Korridor dieser Praxismessungen ab und entspricht dem realistischen Mittelwert für moderne Geräte unter typischen Aufstellbedingungen. Eine dedizierte Feldstudie speziell für BWWP im deutschen Wohngebäudebestand liegt zum Zeitpunkt der Analyse nicht vor. Zur Funktionsweise und Aufstellbedingungen: Verbraucherzentrale, Brauchwasser-Wärmepumpen

Systemfixkosten & Wartung

Gas – 320 €/Jahr (180 €/Jahr Grundgebühr, Mittelwert Grundversorgung inkl. Netzentgelt und Messstellenbetrieb; Finanztip März 2026BDEW Gaspreisanalyse Januar 2026; + 140 €/Jahr Wartung inkl. Schornsteinfeger: Schornsteinfeger 40–100 €, Mittelwert 70 €; Gerätewartung 50–150 €, Mittelwert 70 €; Gesamt-Mittelwert 140 €; Verivox Nov. 2025Bosch Heizungsratgeber)

Heizöl – 315 €/Jahr (100 €/Jahr anteilige Prüf- und Wartungskosten für den Öltank: TÜV alle 5 Jahre ~400 €, Reinigung alle 12 Jahre ~650 €, anteilig 80–120 €/Jahr, Mittelwert 100 €; eigene Kalkulation auf Basis ENTEGA 2026; + 215 €/Jahr Wartung inkl. Schornsteinfeger: Schornsteinfeger 40–80 €, Mittelwert 60 €; Gerätewartung 120–310 €, Mittelwert 155 €; Gesamt 215 €; Bosch HeizungsratgeberENTEGA 2026)

LWWP – 225 €/Jahr (0 € Fixkosten + 225 €/Jahr Wartung: Korridor 150–300 €, Mittelwert 225 €; Verbraucherzentrale; bestätigt durch lupa-sonnenenergie.de, Januar 2026)

LLWP – 175 €/Jahr (0 € Fixkosten + 175 €/Jahr Wartung: Korridor 150–200 €, Mittelwert 175 €; heizung.deHeizungsfinder.de, Juni 2025)

Infrarot – 0 €/Jahr (0 € Fixkosten, 0 € Wartung; keine beweglichen Teile, keine gesetzliche Wartungspflicht; Verbraucherzentrale Energieberatung)

BWWP – 80 €/Jahr (0 € Fixkosten + 80 €/Jahr Wartung: Wartungspaket bis 8 kW ~160 €, empfohlenes Intervall alle 2 Jahre für Privatanlagen; Mittelwert 80 €/Jahr (Energie-Experten.org, Januar 2026)

Systemeffizienz

  • Gas-Brennwert – η 0,92 (Normwirkungsgrad, EN 15316)
  • Öl-Brennwert – η 0,90 (Normwirkungsgrad, EN 15316)
  • Infrarot – COP 1,0 (physikalisch fix; elektrische Energie wird vollständig in Wärme umgewandelt)
  • LWWP – SCOP 3,2, konservativer Bestandswert (Fraunhofer ISE Langzeitstudie Nov. 2025: mittlere JAZ 3,4 bei 77 Anlagen inkl. Altbau; Fraunhofer ISE Nov. 2025IWU Hessen 2025); realer Praxiskorridor Bestand: 2,5–3,5
  • LLWP – SCOP 3,0, konservativer Praxiswert (Norm-SCOP nach EN 14825: ≥ 3,8–4,6 unter Laborbedingungen, FGK/ITG Dresden; reale Praxisabschläge durch Klimabedingungen, Teillastbetrieb und Aufstellungsverluste ~25–35%; ETH Zürich Feldstudie 2025 bestätigt erhebliche Effizienzstreuung im Realbetrieb, ETH Zürich Mai 2025; SCOP 3,0 entspricht dem konservativen unteren Praxismittelwert; eine dedizierte LLWP-Feldstudie für den deutschen Wohngebäudebestand liegt zum Zeitpunkt der Analyse nicht vor)

CO₂-Emissionen
CO₂-Emissionsfaktoren: Strom 2024: 363 g/kWh (UBA, April 2025; bestätigt durch Fraunhofer ISE, Januar 2025); Prognose 2030: 113 g/kWh, 2050: 31 g/kWh auf Basis NECP-Szenario (PV Magazine / IINAS, Oktober 2025);Erdgas: 201 g/kWh, Heizöl: 266 g/kWh (Verbraucherzentrale, Januar 2026;BAFA – Informationsblatt CO₂-Faktoren 2024). Für Stromverbraucher wurde ein linearer Rückgang über die 15-jährige Betrachtungsperiode (2025–2039) angenommen; der verwendete Mittelwert beträgt 142 g CO₂/kWh (eigene Berechnung auf Basis linearer Interpolation der NECP-Stützjahre 2024/2030/2050).

Hinweis
Die Ergebnisse zeigen robuste Trends auf Basis repräsentativer Durchschnittsdaten und ersetzen keine individuelle Wirtschaftlichkeitsprüfung. Regionale Preise, Gebäudezustand und Förderbedingungen können die tatsächlichen Kosten erheblich beeinflussen.

Herausgeber

Diese Analyse wurde von Eneto erstellt. Eneto ist ein Anbieter energieeffizienter Heiz- und Kühllösungen mit Fokus auf moderne Klimaanlagen bzw. Luft-Luft-Wärmepumpen.

Ziel der Veröffentlichung ist die Transparenz über reale Heizkosten und die Dokumentation der Berechnungsgrundlage.

Pressekontakt: n.hoffmeier@eneto.com (Niklas Hoffmeier)